Drucken, trocknen, legen & mehr
3/30/2007
Drucken, trocknen, legen & mehr
Drucken hat Konjunktur. Trocknen auch. Jedenfalls bei Sigma Druck, wo seit kurzem eine Fünffarben-Bogenoffsetmaschine mit Lackwerk und IR-/Heißlufttrockner von Baldwin IVT dem wirtschaftlichen Drucken mit Mehrwert Vorschub leistet. Die Maschine, geliefert vom renommierten grafischen Fachhandelshaus Hubertus Wesseler, definiert bei der Druckerei neue Maßstäbe in Rüstzeitverkürzung, Produktionsflexibilität und Druckqualität. Und sie versetzt das Unternehmen in die Lage, seinen Kunden attraktive Inline-Produktionsmöglichkeiten zu offerieren. Bei der Komori Lithrone S 529 mit einem maximalen Bogenformat von 530 x 750 mm sorgen zahlreiche Sonderausstattungen für ein Höchstmaß an Automatisierung und Bedienungskomfort. Dazu zählen u. a. vollautomatischer Plattenwechsel, Leitstandintegration sämtlicher Beistellaggregate oder die direkte Übernahme von CIP4-Daten für die Farbvoreinstellung.
„Bei uns dominieren Aufträge im mittleren Auflagenbereich mit 30.000 bis 40.000 Bogen“, sagt Geschäftsführerin Monika Künnemann. „Vor diesem Hintergrund sind kurze Rüstzeiten und schnelle Auftragswechsel sehr wichtig. Bei der neuen Maschine kommen wir auch dank des Komori KHS-Farbeinrichtsystems und der PQCS-Leitstandfunktionen auf Rüstzeiten von 15 Minuten.“ Nach dem Einrichten macht die Komori ordentlich Tempo. Nominal auf eine Maximalleistung von 16.000 Bogen pro Stunde ausgelegt, wird die Maschine bei größeren Auflagen, die gelegentlich in die Hunderttausende gehen können, konstant zwischen 14.000 und 15.000 Bogen gefahren. Wilfried Arndt, als Geschäftsführer für die technischen Belange verantwortlich, erklärt: „Obwohl wir auf der Komori unterschiedlichste Bedruckstoffe verarbeiten, von 60-g-Papier bis zu 480-g-Faltschachtelkarton, liegen wir bei der Fortdruckgeschwindigkeit zu 95 % über 10.000 Bogen in der Stunde.“
Zwecks Flexpaletten-Kompatibilität und Stapelerhöhung wurde die neue Halbformat-Druckmaschine um 400 mm hochgesetzt. Ihr fünftes Druckwerk erhält dadurch seine Legitimation, dass viele Aufträge mit zusätzlicher Sonderfarbe zu drucken sind. Ebenso ist die Inline-Dispersionslackierung eine häufig nachgefragte bzw. benötigte Option. Neben einer Steigerung von Glanz und Scheuerfestigkeit der Drucke bringt diese Art der Lackierung verschiedene produktionstechnische Vorteile. So lässt sich die Puderbestäubung erheblich verringern und die Papierstapel können früher bzw. problemloser weiterverarbeitet werden. Außerdem realisiert Sigma Druck im Zusammenspiel der Dispersionslackierung mit Öldruck-Mattlack die Drip-Off-Veredelung (Matt-Glanz-Effekte). Daher das zusätzliche Lackwerk mit Kammerrakel und universell genutzter Rasterwalze. Daher auch die Ausstattung der jüngsten Errungenschaft im Bogenoffsetbereich mit einem kombinierten Infrarot (IR)- und Heißluftrockner von Baldwin IVT. Diese gemischte Art der Trocknung ist gerade für die bei Sigma Druck praktizierte Produktionsweise sehr sinnvoll. Denn die IR-Strahlung beschleunigt Wegschlagen und oxidative Vernetzung der Druckfarben.
Ebenso sorgt die IR-Strahlung für das Austreiben des Wassers aus dem aufgetragenen Dispersionslack, während die Heißluft das verdunstete Wasser von der Oberfläche abrakelt und somit eine schnelle Filmbildung des Lackes unterstützt. Nicht zuletzt bei hohen Farbflächendeckungen beugt der Einsatz der Trocknung einem Verblocken im Stapel vor.
Perfekt gedruckt, lackiert und getrocknet
Seitens Sigma Druck entschied man sich auf Grund verschiedener Vorteile für einen Baldwin GraphiSet GS4-Trockner, nachdem aktuelle Trocknungssysteme verschiedener Hersteller unter die Lupe genommen worden waren. Das will einiges heißen, schließlich verfügt der Betrieb über mehr als 15 Jahre praktischer Erfahrung in der Dispersionslackierung und im Einsatz von Trocknern.
In der verlängerten Auslage der Komori Lithrone S 529 sitzen zwei identische, fest eingebaute GraphiSet GS4-Trocknermodule, deren kurzwellige IR-Strahlung und Warmluftleistung stufenlos regelbar sind. Von außen ist an der Druckmaschine selbst von dem Trocknungssystem nichts zu erkennen. Nur bei näherem Hinsehen fällt in der Reihe der Beistellgeräte der Versorgungsschrank des GraphiSet GS4-Systems auf. Er beherbergt die Elektrik und die digitale Steuerung sowie Ventilatoren, die den Luftstrom erzeugen, der in die Trocknermodule eingeblasen wird.
Das Baldwin-Trocknungssystem unterstützt einen Energie sparenden Betrieb, indem sich die aktive Arbeitsbreite an das jeweils verwendete Bogenformat anpassen lässt. Dazu können die IR-Strahler über die Breite in vier Schritten à 80 mm zu- oder abgeschaltet werden. Doch wo zahlreiche IR-Strahler im Einsatz sind – pro Trocknermodul im Fall der Komori Lithrone S 529 immerhin 18 Stück – wird einiges an Wärme produziert. Damit sich keine nachteiligen Folgen für Produktionstechnik und Druckerzeugnisse ergeben, verfügt die Druckmaschine schon von Haus aus über eine hitzebeständige Auslage. Außerdem hat das Engineering von Baldwin IVT eine pfiffige Lösung geschaffen, um die thermische Belastung in der Auslageverlängerung gering zu halten. Hier wurden die sonst üblichen Leitbügel durch eine vollflächige Bogenführung mit Luft- und Wasserkühlung ersetzt. Als Nebeneffekt ermöglicht diese Einrichtung eine gezielte positive Beeinflussung des Bogenlaufs.
Einerseits fällt Wärme während des kontinuierlichen Auflagendrucks mit Trocknung im Übermaß an, andererseits wird sie beim Kaltstart am Schichtbeginn oder nach einer längeren Produktionsunterbrechung schnellstens gebraucht. Sonst könnte die Anfahrmakulatur anschwellen. Deswegen haben die GraphiSet GS4-Trocknermodule eine elektrische Vorheizung, die die Luft schlagartig aufwärmt. Sobald die Druckmaschine in den Druck geht, schaltet der Trockner auf normalen Betrieb um. Dann wird neben den Heizelementen auch die Wärme der IR-Strahler zur Heißlufterzeugung genutzt. So wird die aufgenommene Energie wird effektiv für den Trocknungsprozess eingesetzt.
Geschäftsführung und Drucker bei Sigma Druck legen im Ganzen wie in den Details großen Wert auf einfache Bedienung und geringstmögliche Wartung. Dem kommt der GraphiSet GS4 mit einem flexiblen Steuerungs- und Automatisierungskonzept entgegen. So ist die Trocknersteuerung mit dem Komori PQCS-Leitstand vernetzt und kann über dessen Monitore bedient werden. Markus Rengers, Technischer Leiter bei Sigma Druck, und die Besatzung der Druckmaschine bevorzugen jedoch die Einstellung und Überwachung der Trocknerfunktionen über den GraphiSet GS4-eigenen Touchscreen. „Hier hat niemand die Muße, immer wieder hierarchische Menüs zu durchwühlen“, erläutert Markus Rengers. „Deshalb finden wir es gut, dass der Maschinenleitstand zwei Monitore und der Trockner sein eigenes Display hat. So ist das Wichtigste immer im Blick.“
Insgesamt bietet das GraphiSet GS4-System eine Fülle von Einstellmöglichkeiten. Wer möchte, kann IR-Leistung, Zulufttemperatur und -volumen manuell einstellen – getrennt für jedes Trocknermodul (nur Heißluft). Selbstverständlich geht es auch auf die elegante Art: durch vollautomatische Regelung des ganzen Systems über die Stapeltemperatur in der Auslage. Dazu erfasst ein Sensor des GraphiSet GS4-Systems kontinuierlich berührungslos die Temperatur. Bei Sigma Druck favorisiert das Maschinenpersonal die vollautomatische Fahrweise mit wenigen Standardeinstellungen. Die Steuerung regelt den Trockner so, dass typischerweise eine vorgewählte maximale Stapeltemperatur von 32 bis 34 Grad Celsius eingehalten wird.
„Die Bedienung ist wirklich sehr komfortabel. Im normalen Produktionsalltag muss sich der Drucker überhaupt nicht um das System kümmern“, berichtet Markus Rengers. „Der Trockner macht alles mit und verfügt über die nötigen Leistungsreserven, um selbst bei 15.000 Bogen pro Stunde optimale Resultate zu bringen.“ Und wie sieht es mit dem Wartungsbedarf aus? Gelegentlich werden die leicht zugänglichen Trocknermodule mit dem Staubsauger ausgesaugt, um eventuelle Staub- und Puderablagerungen zu entfernen. Das ist alles. Ansonsten gilt: Ob die Komori-Maschine mit vier oder fünf Farben druckt und mit oder ohne Lackierung produziert, der GraphiSet GS4-Trockner ist bei Sigma Druck immer im Dienst.
Komplettangebot als Leistung einer starken Gruppe
Der Name des griechischen Buchstabens Sigma hat viele Bedeutungen. Eine der bekanntesten ist die der Summe. Das entsprechende Symbol findet sich im Firmenlogo von Sigma Druck wieder. Damit hat die im münsterländischen Steinfurt-Borghorst (Deutschland) beheimatete Druckerei ein treffendes Zeichen gesetzt. Sigma Druck ist Teil einer Firmengruppe, zu der am Standort Steinfurt die Werbeagentur Concept-Design und der Lettershop Datamail Direktmarketing gehören. Außerdem sind eine Fachagentur für den Pharmabereich, ein EDV-Systemhaus und eine seit zehn Jahren bestehende Internetagentur im Firmenverbund.
Für die Kunden der Gruppe ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. „Wir bieten das komplette Leistungspaket an“, erklärt Geschäftsführerin Monika Künnemann. „Unsere Kompetenz beginnt bei Konzeption und Entwurf und reicht über den Druck mit verschiedenen Veredelungsmöglichkeiten und komplexen Weiterverarbeitungslösungen bis hin zum Versand und der professionellen Nachbearbeitung von Mailingkampagnen.“
In der Druck-Unit beschäftigt Sigma Druck rund 30 Mitarbeiter. Gedruckt wird im 3B- und Halbformat auf mehreren Zwei-, Vier- und Fünffarben-Bogenoffsetmaschinen. Neben der Inline-Dispersionslackierung beinhaltet der Leistungskatalog auch die vollflächige oder partielle UV-Inline-Lackierung sowie kreative UV-Effektlackierungen.
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